Terremoto en Chile

Auch wenn dieser Blog nun nicht chronologisch zu den anderen Beitraegen sein wird, wollte ich trotzdem einen Bericht ueber die Erlebnisse der letzten Tage hier loswerden.

Andreas kam am Freitag, an meinem letzten Pratikumstag in Stgo an und wir besichtigten noch den Cerro San Cristobal und gingen Abends noch gut Essen. Zuhause angekommen gingen wir zeitig schlafen, da am naechsten Tag unser Bustrip in den Norden von Chile starten sollte. Ich hatte mich schon so auf ein bisschen mehr Schlaf gefreut, da durch den Umzug nach Viña die Naechte davor sehr kurz waren.

Mitten in der Nacht, um halb 4 Uhr morgens, wurden wir dann alle vom staerksten Beben was wir alle jemals erlebt hatten aus dem Schlaf gerissen. Das Beben in Stgo hatte eine Staerke von 8,3 auf der Richterskala und wir lagen 400km vom Epicentrum entfernt. Das Beben dauerte ganze 90sek. Im ersten Augenblick wussten wir gar nicht was los war und brauchten erst einmal 1-2 sek um zu realisieren das dies ein Erdbeben war und weitere 2 sek um zu realisieren wie stark dieses Beben war. Der Boden wankte einen gefuehlten halben Meter in dem Hochhaus hin und her, die Tueren schlugen und die Sachen fielen aus den Regalen. Es war ein Gefuehl als wuerde die Metro von Stgo direkt unter dem Haus hindurchfahren. Aus Angst dass das Haus dem Beben nicht stand halten wuerde und uns die Bedrohung auch klar wurde, liefen wir alle nur noch so wie wir waren, nur in Boxershorts, aus dem Haus. Das Beben dauerte eine gefuehlte Ewigkeit und auch als wir schon vor dem Haus auf der Strasse standen, bebte es weiter.

Als das Beben zu Ende war stellte sich zuerst die Frage: Hat wer einen Schluessel mitgenommen?

Natuerlich hatte in der Situation keiner an einen Schluessel gedacht, jedoch hatten wir Glueck das die Eingangstuer noch immer nach dem Beben aufstand und so hiess es so schnell wie moeglich Kleidung und den Schluessel zu schnappen und direkt wieder raus zu gehen, da es noch mehrere Nachbeben gab. Weil erst einmal keiner zurueck ins Haus wollte setzten wir uns an den Pool und tranken uns eine Flasche Bier die noch im Kuehlschrank ueberlebt hatte.

Das Beben war so stark, dass die Elektrizitaet und die Wasserversorgung zusammenbrach. Das komplette Telefonnetz viel aus und so konnten wir erst 2 einhalb Stunden nach dem Beben eine Nachricht nach Deutschland schicken das es uns gut geht, sowie auch alle anderen Leute in Chile anrufen um zu erfragen ob es ihnen gut geht.

Um halb 7 Morgens entschlossen wir uns dann aber doch wieder ins Haus zu gehen um etwas zu fruehstuecken. Zum Glueck erreichte mich Carolina um mir zu sagen das es ihr und ihrer Familie gut geht.

Um 8 Uhr morgens bekamen wir dann schon wieder Strom und um 10Uhr Internet und konnten simit mit der Familie in Deutschland telefonieren.

Da es stuendlich Nachbeben gab, waren immer alle Tueren auf und wir waren bei jedem Beben direkt wieder startbereit um nach unten zu laufen.

Carolina war zu der Zeit des Bebens in Viña del mar in unserer neuen Wohnung und berichtete das wohl einiges zu Bruch gegangen sei. Also machten wir auch erstmal Bestandsaufnahme. Obwohl das Haus ueberall Risse bekommen hatte und Tueren verzogen waren, blieb der sonstige Schaden sehr gering.

Vor Angst vor weiteren Nachbeben kamen Freunde aus dem Nachbarhaeusern zu uns in den 2. Stock, damit der Weg nach draussen kuerzer war.

Am morgen kam der Besitzer des Busunternehmens um uns zu sagen das die Tour in den Norden diese Woche ausfaellt, da mehrere Bruecken eingestuerzt und die Strassen so stark beschaedigt sind, das ein verlassen der Stadt in Richtung Norden zur Zeit nicht moeglich sei. Gut, wie hatten ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet!

Also machten wir uns erst einmal auf in die Stadt um auch erst einmal ein paar Lebensmittel einzukaufen, da ich auch nichts mehr da hatte, da ich ja eigentlich dachte die Stadt am morgen zu verlassen. Die Stadt war wie ausgestorben, da noch viele Leute in der Nacht aufs Land gefluechtet waren und alle Supermaekte und Gebauede waren geschlossen. Wir fanden aber zum Glueck noch eine aeltere Dame die Brote an einer Strassenecke verkaufte und deckten uns ersteinmal damit ein.

Am Plaza de Armas hatte ein einziges Cafe schon wieder geoeffnet und so konnten wir bei einem Bier mit ein paar Chilenen ueber die Ereignisse der letzten Nacht diskutieren.

Abends um 8Uhr gab es auch schon wieder fliessendes Wasser in der Wohnung, dies war zwar noch braun, aber immerhin konnte man wieder das Klo benutzen.

Wir entschlossen uns, am naechsten Tag nach Viña zu fahren, um dort nach dem Rechten zu schauen.

Nach einer unruhigen Nacht und einem heftigen “Gutenmorgen-Beben” um halb 9. fruehstueckten wir erst einmal und machten uns mit den ersten wieder fahrenden Bussen, auf Richtung Viña.

Das Apartment in Viña sah schon wieder gut aus, da Carolina die Scherben schon weggeraeumt hatte und das Gebaeude hatte so gut wie keine Schaeden davon getragen, ausser ein Riss im Badezimmer.

Das letzte starke Beben hatten wir Sonntagnacht um ca. 3Uhr und haben am Montag unsere Nordreise begonnen und sind nun raus aus dem Erdbebengebiet.

Allerdings muss man sagen das wir sehr viel Glueck gehabt haben. Zum einen da wir nicht im Epizentrum lagen, welches 400 km suedlich von uns lag und eine Staerke von 8,8 hatte und dort sehr viele Menschenleben gekostet hat, aber auch da wir zu der Zeit in sehr guten Gebaeuden waren, die schon erdbebensicher erbaut wurden.

Man muss sagen, das die Situation nicht so gut ist, wie anfangs angenommen. In unserem Stadtteil Providencia ist zwar so gut wieder wieder alles in Ordnung, aber andere Stadtteile von Stgo hat es wesentlich staerker getroffen und die Bewohner haben bis heute weder Strom noch Wasser. Allerdings haben die Lebensmittellaeden wieder in Stgo geoeffnet und das entspannt die Lage in der Stadt doch wesentlich, wobei die Lage in Concepcion und Talca noch sehr brenzlich bleibt.

Die Universitaet hat ihre Semesterstarttermine erst einmal um eine Woche verschoben und es bleibt abzuwarten wann alles wieder zur Normalitaet zurueckfindet.

Wie gesagt ich habe mit Anderas Stgo vorgestern Richtung Norden verlassen und sind zur Zeit in Antofagasta. Carolina ist zur Zeit bei ihrem Vater auf dem Land und wir werden gegen Ende der Woche wieder nach Viña zurueck fahren, da die Nachbeben auch mit jedem Tag weniger schwer werden.

Jedoch nach den Auskuenften der Chilenen wird es wohl noch bis zu 2 Monate dauern, bis die Erdbeben ganz aufgehoert werden. Da diese aber mit jeden Tag schwaecher werden und man den Gebaeuden in denen man wohnt zunehment vertraut, entfindet man die Nachbeben schon nicht mehr als bedrohlich.

Mal schauen das ich wenn ich wieder in Viña bin, die restlichen Blog nacharbeiten kann um auch ueber die Reise mit meinen Eltern, meinen letzten Praktikumstag, den Umzug nach Viña und die Reise mit Andreas zu berichten.

Also uns geht es gut und bis auf ein paar blaue Flecken haben wir uns nichts geholt!

Eine Antwort zu „Terremoto en Chile“

  1. Michael Sünder sagt:

    Hey Uwe,

    schön zu hören das es dir gut geht.
    Ich war sehr erleichtert als ich deine “ich lebe noch” Nachricht im studi gelesen hab.
    Ich hoffe für euch das sich die Lage wieder entspannt und weitere Hiobsbotschaften ausbleiben.
    Viele Grüße auch von Heidi

    Gruß
    Michael

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.