Als Andy in Santiago ankam, holte ich ihn zusammen mit einem Kollegen am Terminal ab und wir fuhren erst einmal zu uns in die Abteilung um einen Kaffee zu trinken und ein Stück von meinem Abschiedskuchen zu essen.
Nachdem ich Andy die Abteilung, den Pool und den Fußballplatz gezeigt hatte, fuhr uns ein Kollege zur Metrostation und wir machten uns auf zu meiner Wohnung.
Nach einer kleinen Verschnaufpause machten wir uns in Richtung Cerro San Cristobal auf und schauten uns die Stadt einmal von oben an. Da es schon spät war gingen wir noch in ein Restaurant, aßen noch etwas und dann gings auch schon wieder nach Hause, da am nächsten Tag ja unser Trip in den Norden starten sollte.
Naja das Erdbeben in der Nacht brauche ich ja nicht noch einmal erzählen, dazu hatte ich ja schon einen Blog veröffentlicht.
Ein paar Tage nach dem Erdbeben fuhren wir dann nach Antofagasta um dort unsere Nordreise fortzusetzen.
Antofagasta ist eine alte Minen- und Hafenstadt ca. 1300km nördlich von Santiago de Chile und kann sich sehen lassen. Neben alten Gebäuden, aus der Zeit in der dies noch peruanisches Territorium war, über einen Nachbau des Big Bens und natürlich „La Portada“ (Das Portal).
Als ersten machten wir uns auf zu unserem Hostal um unseren Koffer loszuwerden um anschließend unser Sightseeing zu starten. Am Hafen konnte man Pelikane und Seelöwen aus einem Meter Entfernung und ohne Zaun begutachten. Gut, die Pelikane waren ziemlich schnell langweilig und man widmete seine ganze Aufmerksamkeit den Seelöwen, die ungeduldig auf die Fischköpfe der Fischer warteten.
Weiter ging es mit dem Taxi zum Portal 10km vor den Toren Antofagasta und es ist schon interessant was die Natur so manchmal für Formationen hervorbringt. Nachdem wir dem Taxifahrer doch nochmal ausdrücklich darauf hinweisen mussten doch bitte ein Bild mit uns „UND“ dem Portal zu knipsen, fuhren wir auch schon wieder zurück in die Stadt schauten uns einen alten peruanischen Bahnhof an. Da dieser für die Öffentlichkeit geschlossen ist, machten wir uns eine Privatführung mit einem Secruritymenschen klar (Mit ein wenig Geld sind die Regeln nicht mehr so streng!) und bekamen unsere persönliche Vorstellung und hatten sogar Narrenfreiheit. Anschließend suchten uns ein nettes Plätzchen am Rande der Fußgängerzone und bewunderten die Straßenverkäufer, die blitzschnell all ihre Sachen ausbreiten und wenn die Carabineros kamen binnen 10sek wieder eingeräumt hatten und so taten als wäre nichts passiert.
Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter nach San Pedro de Atacama, welches ca. 300km nordöstlich von Antofagasta liegt. Die Fahrt dorthin war schon eine Schau.
San Pedro liegt mitten in der Wüste auf ca. 2500m über dem Meeresspiegel und ist, durch einen Schmelzfluss von einem der über 4000km hohen Vulkane, eine grüne Oase im Mitten vom Nichts.
Dieses Städtchen hat gerade einmal ca. 3000 Einwohner, platzt aber in der Hochsaison aus allen Nähten. Es schaut aus wie eine Westernstadt, es gibt keine asphaltierten Straßen und die Häuser sind aus Ton und Holz erbaut.
Nachdem wir unsere Sachen im Hostal verstaut hatten gingen wir erst einmal eine Kleinigkeit essen. Wir schauten uns die Stadt ein wenig an und buchten unsere Touren für die nächsten Tage.
Da unserer erster Trip durch die Wüste erst am nächsten Tag startete suchten wir uns ein Restaurant, welches draußen am Lagerfeuer servierte. Super schön! Am nächsten Morgen machten wir zuerst einen kleinen Trip auf eigene Faust zu einer Indianerstätte etwas außerhalb von San Pedro.
Es waren gestandene 43 Grad und so konnte man die Wasserflasche direkt offen lassen und sie sich immer hin und her reichen. Die Landschaft in und um San Pedro ist einfach nur gigantisch und ich habe so etwas noch nicht ansatzweise irgendwo gesehen. Es ist eigentlich eine total tote Landschaft in Mitten einer riesigen Salzwüste und doch gibt es dann plötzlich super interessante Dinge zu sehen.
Am Nachmittag startete wir dann unseren Trip nach Moon Vally und die Landschaft in diesem Nationalpark ist schon irgendwie unwirklich. Es sieht wirklich so aus wie auf dem Mond und man munkelt das die Nasa auch in den 60er Jahren dort vor Ort war um nach Orten Ausschau zu halten die mondähnlich aussehen.
Wir schauten uns alte Salzminen an, die allerdings schon wieder geschlossen wurden, da die Kosten für den Salzabbau um 1 Peso pro Tonne nach einiger Zeit gestiegen ist und dadurch nicht mehr wirtschaftlich in diesen Minen nicht mehr gegeben war. Also: Riesen Gewinnspanne!
Was aber interessant war, war das man die Salzkristalle knacken hören konnte da das Salz noch bis heute arbeitet.
Weiter ging es ins Death Valley, welches den Namen daher hat, da es früher viele Unfälle auf diesem Streckenabschnitt gab. Jetzt mal unter uns: Bei der Fahrweise wie sie auch unser Busfahrer an den Tag gelegt hatte wunderte uns das allerdings auch nicht mehr!
Nach einer 10 min Wanderung bei der man jede Menge Steine mit Mineralien bestaunen konnte, die von einer Vulkanexplosion über 100km weit geschleudert wurden, standen wir vor einem Abgrund der gut und gerne 100m tief war. Einzige Möglichkeit dort runter zu kommen war eine Sanddüne nicht weit von unserem Standort. Und so zogen wir uns alle die Schuhe aus und wanderten auf der Sanddüne Richtung Tal.
Zum Sonnenuntergang fuhren wir wieder zurück nach Moon Valley und konnten einen wahnsinnig schönen Sonnenuntergang mitten in der Pampa miterleben!
Zurück im Ort gönnten wir uns noch ein paar Bier und dann ging es auch schon wieder ins Hostal, da unsere Tour zu den Geysiren schon um 4Uhr morgens startete.
Der nächste Morgen war zuerst der totale Horror. Zum einen die Uhrzeit, die einfach nur unmenschlich ist und zweitens da es nachts in der Wüste auch mal ganz schnell ziemlich kalt werden kann.
Aber es half ja alles nichts und so setzten wir uns in den Bus und fuhren erst einmal 2 Stunden über die wohl schlechtesten Straßen Chiles zu den Geysiren. Der Busfahrer fuhr die Taktik möglichst schnell über die Schlaglöcher drüber zu heizen, damit die Stoßdämpfer nicht so tief absacken konnten und so toll die Taktik ja vielleicht auch sein mag, schlafen währe selbst mit Schlafmittel nicht mehr möglich gewesen.
Um halb 6 Uhr morgens waren wir dann bei den Geysiren auf 4500m Höhe angekommen und hatten Glück einen „warmen Morgen“ mit nur minus 8 Grad zu erwischen. An kalten Tagen können es auch gerne einmal minus 20 Grad dort oben sein. Es war so verdammt kalt und keiner hatte zunächst Lust sich aus dem Bus raus zu bewegen. Da es draußen aber heißen Kaffee und Kuchen gab gingen schließlich alle raus und warteten auf den Sonnenaufgang.
Als die Sonne aufging hatte sich diese Strapaze allerdings gelohnt und wir konnten das drittgrößte Geysirfeld auf der Welt einmal von ganz nah bestaunen.
Nach den Geysiren machten wir noch eine Sightseeing Tour durch die Wüste und konnten so noch den dritthöchsten Vulkan der Welt bestaunen mit über 5000m. Auch hier gibt es einen Schmelzfluss zu bewundern, an dem auf über 4000m Höhe seltene Vögel und ein Tier, welches eine Mischung aus Hase und Känguru ist, zu bestaunen sind.
Anschließend ging es auf zum Kakteenwald und in einer wunderschönen Landschaft standen bis zu 10m hohe Kakteen die schon über 600 Jahre alt waren. Mittlerweile stehen all diese Kakteen unter Naturschutz, da die Chilenen sie wegen des guten und harten Holzes radikal abgeholzt und zum Häuserbau verwendet haben.
In der Nacht ging es dann weiter nach Iquique wo wir uns einen Paraglidingflug angemeldet hatten. Zuerst hieß es einmal den Flugplatz zu finden, da dieser außerhalb von Iquique lag und es 6 Uhr morgens war.
Nach einem Sicherheitsfrühstück, da das herumrennen in der Dunkelheit für Ausländer in Iquique nicht unbedingt vorteilhaft ist, machten wir uns nach Sonnenaufgang auf zum Flugplatz. Dort angekommen konnten wir uns erst einmal duschen und das Internet nach Neuigkeiten auschecken.
Danach ging es auch schon los in einem Bus und wir holten die Lehrer und andere Schüler ab und fuhren auf einen 300 Meter hohen Berg am Stadtrand. Nachdem wir unsere Kleidung an hatten und uns erklärt wurde wie wir uns beim Start und während des Fluges zu verhalten haben wurde auch schon der Gleitschirm fertig gemacht und dann ging es auch schon los.
Da es morgens sehr starke Aufwinde in Iquique gibt, die vom Meer her kommen, ging es am Abgrund nicht wie erwartet erst einmal runter, sondern wir wurden förmlich vom Wind hochgerissen. Nachdem ich in meinem „Sitz“ saß und mein Lehrer mit mir ein paar Wendemanöver durchprobiert hatte, konnte ich so viele Fotos machen wir ich wollte.
Wir stiegen bis auch ca. 750m und dann ging es über die Stadt hinweg ein bisschen noch über das Meer, welches so klar dort ist, dass man die Rochen aus der Luft im Wasser schwimmen sehen kann… Sehr geil!… und anschließend nach ca. einer halben Stunde wurde am Strand zwischen den sich sonnenden Menschen gelandet.
Dieser Flug war mal wieder ein echtes Highlight auf dieser Reise und es war echt eine Erfahrung wert!
Danach schauten wir uns noch die Sehenswürdigkeiten von Iquique an und Abend setzten wir uns in den Bus zurück nach Santiago. Ganze 24Stunden dauerte die Rückfahrt nach Santiago, da wir ganze 2000km zurück zulegen hatten.
Allerdings muss ich sagen, hier in Chile kann man sehr komfortabel mit den Bussen reisen. Man hat viel Platz und man kommt sich vor wie in der Buissnesclass im Flugzeug. Am nächsten Tag in Santiago angekommen, trafen wir uns mit Carolina und Amanda am Terminal um dann zusammen in unsere Wohnung nach Viña zu fahren.
Am darauf folgenden Tag schauten wir uns Viña an und machten Abends ein schönes Barbecue bei uns auf der Dachterrasse. Am nächsten Tag fuhr ich dann schon mit Andy zum Flughafen nach Santiago, da wir nicht wussten wie organisiert es nach dem Erdbeben dort abläuft und er flog planmäßig wieder zurück nach Deutschland.
Was für ein Urlaub kann ich da nur sagen! Wir hatten jede Menge Spaß und haben echt außergewöhnliche und interessante Dinge und Erfahrungen gemacht und der Norden ist wie der Süden auf jeden Fall eine Reise wert!